Die OSPAR-Methodik

Wieviel Müll liegt eigentlich an unseren Ostseestränden? Und wie setzt sich dieser Müll zusammen? Um diese Fragen zu klären, haben die Wissenschaftler des GEOMARS und der Forschungswerkstatt an zehn Stränden Müll aufgesammelt und klassifiziert.

Damit die untersuchten Strände hinsichtlich Zusammensetzung und Menge des Mülls auch vergleichbar sind, wurde die Methodik der OSPAR-Kommission angewandt. OSPAR ist ein völkerrechtlicher Vertrag zum Schutz der Nordsee und des Nordostatlantiks, welcher von den verschiedenen europäischen Nordseeanrainerstaaten und zusätzlich von Finnland, Luxemburg und der Schweiz unterzeichnet wurde. Die OSPAR-Methodik dient dazu, die Müllmengen und -Arten an den verschiedenen Stränden zu erfassen und so Quellen von Müll ausfindig zu machen. Dies hilft dabei, wirksame Maßnahmen zu entwickeln und durchzuführen, um die Müllbelastung zu verringern. Die Anwendung einer einheitlichen Methodik erleichtert den Vergleich mit anderen Stränden, beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern oder Polen oder mit Stränden an der Nordseeküste. Die OSPAR-Methodik ist auf der Website der OSPAR-Kommission einsehbar und kann frei heruntergeladen werden (hier).

Bei der OSPAR-Methodik gibt es zwei Sammelbereiche, die immer von der Wasserlinie bis zum Ende des Strandes (Dünen, Deiche, Uferdämme etc.) reichen.  Der erste Bereich erstreckt sich über eine Distanz von 100 m. In diesem Bereich werden alle sichtbaren Müllteile aufgesammelt und klassifiziert. Der 100 m Bereich ist Teil des zweiten Sammelbereichs, dem 1 km Abschnitt. Im 1 km Abschnitt werden nur Objekte > 50 cm aufgenommen. Selbstverständlich haben wir bei unseren Beprobungen auf dem 1 km Abschnitt auch alle sichtbaren Müllteile < 50 cm eingesammelt. Wir sind die jeweiligen Sammelbereiche im Zick-Zack Kurs parallel zur Wasserlinie bis zum Ende des Strandes abgegangen. Angefangen wurde immer mit dem 100 m Bereich. Für beide Sammelbereiche gibt es jeweils einen anderen Erhebungsbogen mit anderen Müll-Klassen.

Darstellung der beiden Abschnitte in denen Müll gesammelt und klassifiziert wird, erstellt von Thomas Henke

Für eine wiederholte Beprobung der Strände ist es wichtig, beständige Referenzpunkte zu setzen, damit an derselben Stelle wieder gesammelt werden kann.  Ein Hand GPS-Gerät liefert zwar Koordinaten, an denen man sich orientieren kann; die Abweichung beträgt aber bis zu 10 m. Deshalb sind nach Möglichkeit beständige Referenzpunkte wie nummerierte Buhnen vorzuziehen.

Für den 100 m Bereich, in dem jeder sichtbare Müll aufgesammelt und klassifiziert wird, gibt es 13 Müll-Klassen:

  • Plastik/Styropor
  • Gummi
  • Textilien
  • Papier/Pappe
  • Bearbeitetes Holz
  • Metall
  • Glas
  • Keramik
  • Sanitärabfälle
  • Medizinische Abfälle
  • Exkremente
  • Paraffin oder Wachsteile
  • Anderes

In diesen Klassen finden sich verschiedene Artikel als Unterkategorie. Bei  der Klasse „Plastik“ zum Beispiel gibt es „Plastiktüten“ oder „Essbesteck“ als Unterkategorie.
Für den 1000 m Bereich, in dem Müllteile über 50 cm klassifiziert werden, gibt es sechs Müll-Klassen:

  • Plastik
  • Metall
  • Bearbeitetes Holz
  • Gummi
  • Textilien
  • Anderes

Auch diese Klassen haben verschiedene Artikel als Unterkategorien. Die Unterkategorien sind alle farblich bebildert, um eine Klassifizierung des gefundenen Mülls zu erleichtern.

Müll-Klasse „Plastik/Styropor“ mit den Unterkategorien „Feuerzeug“, „Kugelschreiber“ und „Kämme/Haarbürsten“ Foto: Auszug aus der OSPAR-Methodik (OSPAR-Kommission, 2010)

Jeder beprobte Strand wird über einen mehrseitigen OSPAR-Fragebogen charakterisiert. Es gibt unter anderem Fragen zur Nutzungsart und -Intensität des Strandes, die Distanz zur nächsten Stadt oder zu Häfen sowie Fragen bezüglich der Reinigung des Strandes (Häufigkeit, Methode).

Die OSPAR-Methodik wurde bereits an mehreren Nordseestränden bzw. Atlantikstränden in Ländern wie Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Portugal, Spanien, oder Schweden angewandt. Aber auch an Ostseestränden in Dänemark, Deutschland oder Litauen wurde die OSPAR-Methodik verwendet. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern wurden viele Strände nach dieser Methode bereits beprobt.  Die Anzahl an gefundenen Müllteilen lag dort zwischen 7 und 404 (Schernewski et al., 2018). Die Auswertung der Müllmengen und -Zusammensetzung an unseren beprobten Ostseestränden vom Winter 2018 folgt in Kürze.

Die OSPAR-Methodik für das Sammeln und Klassifizieren des Mülls kann ohne großes Vorwissen angewandt werden. Für die Analyse und Auswertung der Daten ist jedoch ein Vorwissen in der Statistik von Vorteil. Zudem sind für die Charakterisierung des jeweiligen Strandes Informationen von den zugehörigen Gemeinden oder zuständigen Behörden notwendig.

Die OSPAR-Methodik bietet eine einfach umsetzbare, kostengünstige Möglichkeit, die Strände zu untersuchen. Sie erleichtert einen Vergleich über die Zusammensetzung und Menge des Mülls zwischen verschiedenen Stränden. Zudem unterstützt die Methodik die Implementierung der EU Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie mit dem Ziel einer nachhaltigen Nutzung der Meere und dem Erhalt der vorhandenen Ökosysteme.

Es gibt jedoch auch ein paar Nachteile. So ist die Klassifizierung trotz vorhandener Beispielbilder nicht immer eindeutig. Beispielweise gibt es die Unterkategorien „Plastiktüte groß“ und „Plastiktüte klein“, die keine eindeutigen Größen definieren. Auch die Anzahl an Unterkategorien erschien uns bisher sehr hoch. Viele Artikel, die in der Methodik gelistet werden, wurden von uns nicht oder nur sehr selten gefunden. Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass die OSPAR-Methodik nicht für den Ostseeraum entworfen wurde, sondern den Fokus auf die Nordsee legt.

 

Literatur:

  • OSPAR-Kommission (2010): Guideline for Monitoring Marine Litter on the Beaches in the OSPAR Maritime Area.

URL: https://www.ospar.org/documents?v=7260 (letzter Abruf: 29.07.2018)

  • Schernewski, G., A. Balciunas, D. Gräwe, U. Gräwe, K. Klesse, M. Schulz, S. Wesnigk, D. Fleet, M. Haseler, N. Möllman und S. Werner (2018): Beach macro-litter monitoring on southern Baltic beaches: results, experiences and recommendations.
    URL: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs11852-016-0489-x.pdf (letzter Abruf: 29.07.2018)

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